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Part I … Seine Augen schweiften langsam von dem kleinen Cafe mit den Stehtischen die als Gastgarten fungierten, von seiner Linken über die Auslagen eines kleinen mit Modekleidern gefüllten Ladens über die Frauen und Männer die sich über die gesamte Breite der Straße von ihm weg und ihm entgegen bewegten bis zum Friseurladen und der imbissbude rechts von ihm. Ein frisch frisierter junger Mann im Anzug verlies den Friseur in eben diesem Moment. Seine Haare waren dunkel, mittel lang, also nicht Schulterlang aber auch nicht kurz geschnitten. Er hatt einen dieser typischen Schönlings Haarschnitte, die immer fettig und ungewaschen wirken durch das Gel, das den Stirnhaaren die rundliche Form gibt. Ein wenig Angewiedert vom schlechten Geschmack der Welt setzte er sich wieder in Bewegung.
Wie so oft waren seine Gedanken ihm schon vorausgeeilt, trafen sich bereits mit der ominösen Person aus dem Internet, die ihn unbedingt treffen musste ohne genauere Gründe angeben zu können. Was hatte sie, oder er ihm wohl wichtiges mit zu teilen oder zu zeigen warum hatte er sich eigentlich auf dieses Treffen eingelassen? Wieso sollte es ausgerechnet an der Dominikusbrücke sein und wieso musste er als Kennzeichen eine schwarze Krawatte, ein Zeichen der Trauer, tragen?
Er näherte sich der Brücke und hielt ausschau nach der Person mit dem schwarz weiß gestreiften Armband, was trägt man zu einem schwarz-weißen Armband und wieso wusste er nicht einmal das Geschlecht seines Gegenübers? Es würde die Suche doch um 50% erleichtern. All diese Gedanken plagten ihn, als er, mittlerweile auf der Brücke angekommen, von einem älteren Herrn gerempelt wurde. Der Mann hatte graue Haare, der Haaransatz war bereits nach hinten versetzt, was ihn jedoch ncith daran hinderte die Haare, welche noch auf seinem Kopf sprießten wuchern zu lassen, ungekämmt. Eine markante, hohe Stirn setzte über seinen klaren blauen Augen an, dazwischen graue, kräftige Augenbrauen. Es waren große Augen, die den Eindruck erweckten als könnten sie alles sehen, alles wahr nehmen, selbst Gedanken. Die Lippen zu beschreiben wäre Sinnfrei, sie Waren unter dem Bart nicht erkennbar. Auch dieser dürfte vor langer Zeit, so wie die Haare, eine kräftige Farbe gehabt haben, bbei diesem Treffen war nicht mehr viel davon übrig gebliben. Sein Blick huschte auf das Armgelenk des unbekannten Anpöblers. Da war es, das schwarz-weiß-gestreifte Armband, wobei es durch die große Anzahl an Reinigungen die es offensichtlich im Laufe seiner Existenz schon hinter sich gebracht hatte wohl korrekter als hell-dunkel-grau-gestreift bezeichnet hätte werden müssen.
Ohne ein Wort zu verlieren signalisierte ihm der Mann, nachdem er bemerkt hatte, dass er erkannt war, ihm zu folgen. Sie wechselten auf die andere Seite des Ufers…
Langsam glitt sein Körper durch die verschnörkelten Gassen der Stadt. Sein Blick schweifte die Häuserfronten empor, sie verdunkelten die Gassen, selbst zur Mittagszeit. Eine dämmrige Stimmung, Mordgens bis Abends, als würde die Zeit still stehen, als wäre immer später Nachmittag oder früher Abend. Fürs Morgengrauen war es zu düster, zu träge und traurig. Der Morgen hat selbst bei widrigsten Bedingungen etwas positives in sich, das dürfte den Menschen hier zur Gänze unbekannt sein.
Normalerweise mochte er den Klang seiner Schuhe, seiner Absätze, doch jetzt war es ihm unangenehm. Der Klang prallte von den kalten Mauern ab, kam zu ihm zurück. Echo verfolgte ihn, war ihm voraus, jagte und begleitete ihn durch die Gassen. Er variierte seine Geschwindigkeit versuchte das unangenehme am Klang seiner Schritte zu entfernen, verlegte sein Gewicht zu den Zehen. Doch das trippeln seiner Absätze blieb bestehen, wollte nicht aufhören. Vermutlich machte die Leere der Gassen es erst richtig unangenehm, höchst wahrscheinlich sogar. Er fragte sich, ob er einfach nicht mit sich selbst alleine sein konnte, ob es daran liegen mochte und ob das wohl mal anders war. Seine Füße bewegten sich weiter, bald ging er um eine Ecke, bald in eine andere Gasse. in Gedanken noch immer bei dem Klang seiner Schritte, manchmal, da konnte er es genießen einen Fuß vor den anderen zu setzen und dabei den Klang seiner Fortbewegung zu lausen, was es jetzt so unerträglich für ihn machte war ihm noch immer nicht ganz klar als er in eine der belebteren Straßen einbog. Seine Schritte, der Klang seiner Absätze war verschwunden, ersetzt durch das fremdartige geplauder der Menschen in der Straße. Er hielt einen Moment inne, beinahe hätte ihn sein Hintermann nieder gerannt, konnte aber noch rechtzeitig einen Satz zur Seite machen, dass es unserem Protagonisten nichtmal auffiel… Part II
Verträumt, sich seines Ziels alles andere als bewusst schlenderte er durch die Straßen und Gassen der Fußgängerzone im Grazer Zentrum. Wie oft hat man schon die Gelegenheit, im Frühjahr, bei leicht sommerlichen Temperaturen durch die Innenstadt zu spazieren. Erledigungen hatte er bereits alle hinter sich gebracht, eigentlich hätte es ja nur ein Buch werden sollen, aber woher hätte er wissen sollen, dass die Auswahl so groß und ansprechend sein würde. Und so schoss er über das Ziel hinaus, wie so oft und verdreifachte sowohl Summe als auch Anzahl der erworbenen Güter. Der Parkschein war ja bereits bezahlt, dachte er und spazierte zum Haus in dem ein für ihn zu diesem Zeitpunkt interessant wirkendes Mädchen lebte. Er kannte Sie kaum, sie war eine Freundin einer Freundin, besser eine Schulkollegin einer Freundin und er hatte sie bisher nur zweimal getroffen. Nichts desto trotz empfand er sowohl Sympathie als auch Interesse an besagtem Mädchen. Die Ursache, den Grund hierfür kannte er nicht. Nun denn stand er vor dem Haus, stand vor der Tür, doch welcher Name, welches Türschild war Sie? Mehr als eine Eingangstür und einen Vornamen wusste er nicht. Ungewiss wo er drücken sollte, wurde ihm ein wenig mulmig, selbst wenn er den richtigen Knopf drückte könnte sich jemand anders melden. Was sollte er von sich geben, wenn eine WG Kollegin, eine Mitbewohnerin antwortete, wusste er doch so gut wie nichts über das junge Fräulein. Also entschloss er sich kurzerhand seiner Spontanität abzusagen und zu seinem Auto zurück zu kehren. Langsam drehte er sich um, blickte noch einmal hoch zu dem Fenster in dem Sie seiner Vermutung zufolge versteckt war. Aber entgegen seiner Hoffnung, die zugleich auch eine Angst war, stand Sie nicht dort und winkte. Ein wenig Orientierungslos drehte er sich, entschied sich dann links zu gehen und marschierte los. Sobald er die Erste Ecke hinter sich hatte, atmete er tief durch, bleib stehen und dachte darüber nach was er gerade gemacht hatte, oder auch nicht gemacht hatte und vor allem was er eigentlich wollte.Sowohl das eine, wie auch das andere kamen ihm zutiefst absurd vor. Ein beißender Geruch stieg ihm in die Nase, als er sich dann weiter entfernte. Wenn man seine Gedanken visualisiert hätte, wäre wohl ein amüsantes, verschwommenes Bild entstanden. Gezogen über die gesamte Gasse. Männer, die vor Trunkenheit kaum noch stehen konnten, an den Wänden lehnend ihre Notdurft verrichteten, andere welche türkisches Essen speißten und zur gleichen Zeit über Ausländer schimpften. Wieder andere, die das Gleichgewicht wohl irgendwann mal verloren hatten und sich am Boden wälzten, erbrachen und in Ihrem erbrochenen, wie Kleinkinder krabbelten. Und mitten in diesem Szenario tauchte immer wieder das Mädchen auf wie eine Engelserscheinung in der Hölle. Weiß gekleidet, blond und die Gasse erhellend, die kaputten Menschen befreiend. Ein paar Straßen weiter, ganz gesammelt hatte er seine Gedanken noch nicht, sie geisterte noch immer in seiner Gedankenwelt herum. Noch immer fragte er sich ob er wohl das richtige gemacht hatte. Antwort war ihm keine vergönnt, außer der sich in seinem Leben wiederholenden Antwort, dass er das gemacht hatte was ihn repräsentierte. Er hatte das gemacht was seinem sein und seinem Leben entsprach, er hatte kurz vor dem Ziel zurück gesteckt, war vor der Gefahr der Enttäuschung zurück gewichen. Er hatte wieder mal bis kurz vor das Ende gekämpft mit sich, nur um dann auf zugeben. Und als er das so vor sich hin dachte bemerkte er an einer Hausecke einen Schreibwarenladen wie es ihn in seinem Heimatdorf auch mal gegeben hatte. Die Fassade war nicht direkt heruntergekommen, aber man konnte klar erkennen, dass sie bereits länger Wind und Wetter getrotzt hatte, als so manch andere Fassade der Altstadt. Und exakt bei diesem Gedankengang fiel ihm ein, dass er diverse Stifte benötigte, seit längerem. Warum nicht hier kaufen, dachte er als er den Laden betrat. Eine Dame mit grauen Haaren, sicher über fünfzig, aber gut erhalten begrüßte ihn freundlich. Sie hatte eine angenehme ruhige Stimme und eine noch angenehmere beruhigende Ausstrahlung, eine Aura der Ruhe und Intelligenz umgab sie. Was sie für Ihn tun könne, fragte Sie überaus höflich und zuvorkommend. Erschlagen von dem umfassenden Angebot dass ihm von vielen kleinen Regalen entgegen sprang wusste er beinahe nicht mehr was der Grund für seinen Besuch in diesem Laden war. Schließlich fiel es ihm wieder ein und er fragte nach CD-Marken, dabei wurde ihm klar, dass es nicht das einzige bleiben sollte, denn wie oft kommt man schon zu dem Vergnügen ein derartiges Geschäft zu besuchen. Während die Dame um ein Regal spazierte überflog er den Laden mit seinen Augen. Zu seiner linken sah er Tinte wie Sie von Malern verwendet wird, rechts waren Lineale, Geo-Dreiecke, Kurvenlineale. Die Vielfalt des Angebots, überschritt trotz des kleinen Platzes bei weitem das der großen Bürobedarfsketten. Allerlei Accessoires für den Künstlerbedarf erspähten seine Augen. Plötzlich war es ihm egal welche Stifte er bekommen würde und wie viel sie kosten mochten. Noch während er zu den angebotenen Stiften griff fragte er nach Kollege-Blöcken und einem Buch, diesem Buch, aus dem Ihr nun lest. Auch hier war die Auswahl überwältigend. Er entschied sich für das Buch mittlerer Stärke, kariert. Es dürfte um die 300 Seiten haben. So etwas hat man länger, meinte die Verkäuferin, woraus eine recht angeregte Unterhaltung entstand, dass der Preis nicht so wichtig sei und selbst aus Wien Kunden kämen, weil es so ein Geschäft in Wien nicht gäbe. Bedauernd fiel ihm ein, dass auch das Geschäft in dem er früher mal einkaufte, seine Pforten geschlossen hatte. Er erinnerte sich zurück, an seine Füllfeder, die ihm vor Jahren seine mittlerweile verstorbene Großmutter geschenkt hatte. Fünfhundert Schilling hat sie gekostet, dachte er, als er fragte ob sie denn auch Füller in Ihrem Sortiment führe. Wie zu erwarten tippele die Dame entlang des Tresen um die Ecke, er drehte sich mit ihr und folgte dann, zwei Schritte nach rechts und er stand vor einem Kasten, der wie ein zweiter Verkaufstresen wirkte. Links und Rechts waren scherst befüllte Regale, in der Mitte war frei, so dass er zu ihr durchgreifen hätte können und mit Ihr sprechen konnte. Es lag bereits ein Block dort,auf dem verschiedene Schriftbilder waren. Sie öffnete die erste Lade und brachte wunderschöne Füllfedern zum Vorschein. Auch normale Füller, wie sie von Schülern verwendet wurden bot sie ihm an, davon distanzierte er sich sofort und deutlich, er wollte einen Füller der Ihn repräsentierte. Er teilte Ihr seine Wünsche mit, sie dürfe nicht zu leicht sein und müsse einen dünnen Strich haben. Sie kramte etliche Füller hervor, er probierte damit zu schreiben, aber es wollte ihm keiner so recht zusagen, bis sein Blick auf einen aus hellem Holz mit vergoldeter Feder fiel. Und als er selbigen berührte wusste er bereits, dass dies die erste Geschichte mit diesem Füller in diesem Buch sein sollte.
Posted on 15 November '10 by leningratt, under Geschichten, Sprache. No Comments.
Die Lichter ziehen an den Fenstern des Zuges vorbei, wie Gedanken im Bewusstsein der Menschen die sich darin befinden. Kurz blitzen sie auf, strahlen in ihrer ganzen Klarheit und Schönheit oder Widerwärtigkeit welche einander bis ins letzte Detail ähneln. Für einen Moment kann man sie klar erkennen, weiter über sie nach zu denken erscheint jedoch mehr als bloß Sinn frei zu sein, da sie einen winzig kleinen Augenblick später bereits in einer anderen Wirklichkeit sind. Weiter gesprungen, zum nächsten Fenster, zum nächsten Fahrgast, wieder in der alles umhüllenden Dunkelheit der Nacht verschwunden. Eine Kurzweiligkeit die ihresgleichen wohl schwer in dieser unserer Realität die von uns wahr genommen werden kann finden wird. Einen Gedanken weiter zu verfolgen, ihn weiter zu spinnen ist hoffnungslos, mit dem nächsten Licht wird er verdrängt und durch einen fremden vermutlich noch absurderen Gedanken ersetzt den weiter zu spinnen ähnlich unbefriedigend wie den vorangegangenen weiter zu denken.