U2 meets AI – good and better oder doch evil and worse?

Am Montag dem 30. August war U2 Live in Wien, Amnesty International durfte, da Bono ja sozial engagiert ist Unterschriften für Petitionen gegen Zwangsräumungen sammeln. Soweit ein netter Zug von U2, das ganze wurde allerdings eingeschränkt, bestimmte Themen durften nicht verwendet werden, weil mit diesen Themen bereits die U2 eigene Charity Organisation “one” on Tour war. Ist aber auch noch nicht weiter schlimm, immerhin bringt es nichts wenn 2 mal für das gleiche gesammelt wird.

Ich nutzte die Gelegenheit und sprach auch den einen oder anderen Gesetzeshüter an, es waren ja mehr als genug von Ihnen da. Meist bekam ich eine klare Abfuhr, so in die Richtung Menschen(-Rechte) würden Sie auch in Ihrer Freizeit nicht interessieren, also in der Dienstzeit sowieso nicht. Aber wie in jeder Gesellschaftsgruppe gibt es auch bei den Polizisten den einen oder die andere positive Überraschung und diese waren es Wert von den anderen eine Abfuhr zu bekommen. Immerhin, wie viele Unterschriften wurden von Exekutivbeamten gesammelt?

Soweit so gut, Amnesty International begleitet U2 auf der 360° Tournee und ich durfte in Österreich mitwirken, eigentlich ganz schön positiv. Aber bisher gab es noch nie etwas wo ich einfach “Ja” sagen konnte, also wäre es doch äußerst verwunderlich wenn ich es diesmal könnte. Und somit sind wir bei der Kritik angekommen.

Zuerst rechnen wir mal mit U2 ab. Die irischen Rocker haben Ihr Finanzimperium nach Niederlande verlegt um Steuern zu sparen(siehe). Ziemlich komisches Verhalten für eine Band die sich doch so für das Wohl der Ärmeren und Benachteiligten engagiert, dem Umverteilungsprozess des Staates zu entfliehen, eigentlich fast schon pervers. Außerdem meldeten sich sowohl Bono als auch der U2-Manager immer wieder mit zweifelhaften Äußerungen zur Copyright Debatte. Mittlerweile sind die Herren so weit, dass sie sich für eine Flatrate einsetzen, wie die weitere Verteilung dann geschehen soll ist für mich nicht nur unklar sondern sogar unmöglich, so sie gerecht passieren soll. Warum sich die Gutmenschen von U2 mit Ihrem gesamten Reichtum noch nicht durchgerungen haben es Nine Inch Nails gleich zu tun ist für mich ein Rätsel, bzw. unterstreicht die Doppelmoral von Bono und Co. Erschreckend war für mich auch, dass die Mitarbeiter von Amnesty International, beim Fackelkreis der Abschließend gebildet wurde keine AI-T-Shirts tragen durften und sich soweit Zensurieren ließen dass Sie damit einverstanden waren, wo wir auch schon bei der Amnesty International Kritik wären.

Amnesty International ist natürlich eine NGO und versucht das beste zu machen was sie als NGO kann, trotzdem sollte wohl so mancher Mitarbeiter “Alles Ware” von Robert Misik lesen. Denn scheinbar ist den Mitarbeitern von Amnesty teilweise noch nicht klar, dass Sie der Markt sind, dass jede Ihrer Kaufentscheidungen Auswirkungen hat. Vielleicht würde es auch reichen wenn die AI Mitarbeiter ein Seminar von einem Greenpeace Mitarbeiter bekämen, immerhin macht Greenpeace seit Jahren Produkt-Kauf-Verweigerungen und ruft somit zum bewussten Konsum auf. Amnesty International kämpft gegen Zwangsräumungen und für Menschenrechte, und trotzdem bekomme ich von Amnesty dann eine “Jause” gestellt, bei der ich mir denke, die hättet Ihr besser im Laden lassen sollen, diesen Müll nehm ich nur gedumpstert. Schade dass die Bewusstseinsbildung der AI Mitarbeiter noch nicht so weit reicht, dass Sie nicht nur vom Guten Reden sollten sondern auch in der Kommerzkultur gutes tun sollten. Aber vielleicht rege ich ja hiermit den einen oder die andere zum Nachdenken an, denn Unterschriften Sammeln hat wenig Sinn wenn ich gleichzeitig die Firmen unterstütze die als Ursachen für dieses oder Ähnliche Übel erkennbar sind.

Amnesty International hat nur sehr beschränkte Finanzielle Mittel, aber gerade diese sollten bewusst eingesetzte werden. Und ich denke ich werde meine Spenden an AI abdrehen solange dies nicht der Fall ist. Vielleicht folgen diesem Beispiel ja mehrere und AI und seine Mitarbeiter sehen sich gezwungen nochmal drüber nach zu denken was sie mit meinem Geld machen. Sollte sich Amnesty International Österreich baldig dazu äußern und seinen Besserungswillen kund tun, bin ich auch bereit meine monatlichen Spenden zu verdoppeln.

Meine Forderungen: Amnesty International Verpflegungen für Mitarbeiter nur mehr Fair Trade oder Bio. Amnesty Kleidung(T-Shirts, Jacken etc.) Fair Trade, zukünftige Hardware Anschaffungen entweder Red oder 2nd Hand, Amnesty Publikationen unter Creative Commons Lizenz, Amnesty Software Open Source unter GNU/GPL. Mit der Bitte um ein Statement seitens Amensty International Österreich. Gerne komme ich aus meinem Elfenbeinturm und stehe den AI Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite.

Ein kleines Update hierzu, das Video in dem die AI und One Aktivist_innen auf der Bühne auftauchen, laut Ö3 war es übrigens “gruselig”…

Posted on 2 September '10 by , under Dieses und Jenes, International, National, Politik. 2 Comments.

Das Marken-ich

Nachdem ich das Buch “Alles Ware” von Robert Misik gelesen habe und sich dieses Buch nur mit Marken, Waren und der Konsum und Lifestyle Gesellschaft beschäftigt wurde es für mich auch mal Zeit mich mit Marken und Waren zu beschäftigen. Dieses Buch hat in mir einen Denkprozess beendet oder vervollständigt, der schon lange begonnen hatte .

Ich bin eine Marke, ich bin nicht die Summe meiner Handlungen, ich bin nicht was ich esse, ich definiere mich nicht über meine Tätigkeiten, ich bin nur ein Werbeträger, der auch noch dumm genug ist für das Tragen der Werbebanner zu bezahlen. So könnte man das wohl überspitzt ausdrücken. Die Hose aus dem Jeans Store, das T-Shirt als Band Werbung, das Sakko als Werbung für meine Seriosität, die Schuhe als Werbung für Extravaganz oder Hipness, das Handy als Werbung für Fortschrittlichkeit. Robert Misik beschreibt es ganz gut, man kauft ein Gefühl, man kauft nicht nur die Funktionalität, Paradebeispiel iPod, iPhone und ähnliche Produkte. Und es gibt kein entrinnen, ich kaufe Immer und bestimme immer einen Trend mit.

Nun aber zurück eigentlich möchte ich doch darauf eingehen, dass ich, der ich bin nicht mehr und nicht weniger als eine Marke bin. Jeder Mensch ist seine eigene Marke und setzt sich zusammen aus anderen Marken. Ich trage bestimmte Kleider verwende bestimmte Tools, benutze bestimmte Software, verwende gewisse Wörter, höre bestimmte Musik, habe meine eigenen Bewegungen… Und viel wichtiger noch, ich definiere mich selbst, ich präsentiere mich. Ich definiere mich durch mein Äußeres sowie durch meine Äußerungen und Handlungen, aber am klarsten noch durch mein Äußeres.

Und wieder sind wir beim Web 2.0, bei Facebook, bei Twitter, bei mySpace, bei YouTube und Co. Hier habe ich die besten Möglichkeiten mich selbst zu Präsentieren, einige Freunde von mir erkanntes dies bereits in der Anfangszeit von MySpace und betrieben diesen Selbstkult, diesen Ich-Kult ganz massiv. Lange Zeit habe ich das Verwehrt, ich möchte nicht im Netz jemand anders sein als ich es in Wirklichkeit bin und ich selbst habe mich immer als relativ “Echt” gesehen. Mittlerweile setze ich natürlich das Web bewusster ein, versuche manchmal sogar ein Bild von mir zu schaffen das eher einem Ideal von mir entspricht.

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte, jede_r ist ein kleine_r Marketing ExperteIn, ein_e Web Monitoring ExperteIn. Für den Erfolg in dieser neuen transparenten Welt ist es erforderlich, dass ich meine Google Hits weiß und bewusst lenke, dass ich dafür Sorge, dass über Google, Yahoo und Co nur Information von mir gefunden werden kann, die mich in ein positives Licht stellt. Übertreiben darf man allerdings nicht, weil jemand der im Netz nicht zumindest einmal auf einem Partyfoto ist, bei dem kann etwas nicht stimmen, jemand der nicht zumindest einmal irgendwo in einem Forum Blödsinn gepostet hat, der kann nicht echt sein. Also diese Suchergebnisse muss es durchaus geben, sie sollten aber nicht auf der ersten Seite sein.

Und wenn wir gerade nicht damit beschäftigt sind uns selbst zu googeln um zu erfahren welche Webpräsenz von uns an welcher Stelle von Google gereiht wird, dann nutzen wir die selben Tools um andere Menschen anhand Ihrer Webpräsenz einzuschätzen. Viel zu oft vergessen wir mittlerweile, dass eine Webpräsenz keinen Wahrheits oder Realitätsanspruch stellen kann. Fritz Fotzenbuch ist eine rein fiktive Person. Irgendwessen Hirn entsprungen als Symbol für genau sich selbst stehend, als Symbol für eine fiktive Person in einem immer realeren fiktiven Raum.

Posted on 2 August '10 by , under Nachgedacht, Technik. No Comments.

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