Urheberrecht: “Piraterie wird es immer geben” titelte die Presse am 3. April 2010. Mich beschäftigt dieses Thema schon lange, einerseits die “Streiche der Piratebay.org Betreiber, andererseits die offensichtliche Machtlosigkeit und das völlige Unverständnis der Musik und Film Industrie. Die verzweifelten Versuche das Internet zum Rechtsraum um zu formen. Schnell stoßen die Manager und Lobbyisten an ihre Grenzen. Das Internet und Technik entwickeln sich selbstständig, unabhängig und unkontrollierbar. Mit “Three Strikes” Regelungen, Acta oder auch Vorratsdatenspeicherung versucht man dem Problem der Piraterie Herr zu werden, bisher vergeblich. Aber auch gegen die Piraterie auf dem Meer kämpft man schon seit Jahrhunderten, genau genommen konnte ich erste Erwähnungen der Piraterie bereits im 6. Jahrhundert vor Christus finden.
Eine kurze Geschichte der Piraterie
Man kann sagen Piraterie gibt es seit es Schifffahrt gibt. Bereits in der Antike wurde Piraterie betrieben, damals allerdings noch mit Ruderboten, es wurden Küstenstädte ausgeraubt, ähnlich gingen im 8. Jahrhunder die Wikinger vor, sie nutzten allerdings auch die größeren Flüsse um ins Binnenland vorzudringen. Bis ins 19. Jahrhundert blieb die Piraterie zur See in Europa ein Problem der Herrschenden und Handelnden, Phasenweise wurden die Freibeuter von Landesherren und Stadtherren legitimiert und als Söldner ohne Fixsold eingesetzt.
Auch in Ostasien gab es bereits im 13. und 14. Jahrhundert Piraterie, größter Unterschied zu den europäischen Kollegen war, dass asiatische Piratenflotten streng hierarchisch strukturiert waren und die Beute nicht zu gleichen Anteilen aufgeteilt wurde. Daraus ergab sich allerdings der Vorteil, dass ganze Piratendynastien entstanden, die auch zum politischen Machtfaktor wurden.
Als “goldenes Zeitalter” der Piraterie wird die Epoche der Kolonisierung Amerikas durch Spanien und Portugal bezeichnet. Diese Form der Piraterie wie sie vom 16. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert bestand ist es worauf unsere romantischen Bilder der Piraterie begründen. Es kam in dieser Zeit zu einem derartigen Zuwachs der Piraterie, da die Europäischen Nationen einander im Seehandel stören wollten und schädigen wollten. Die Schädigung des anderen war wichtiger als der eigene Gewinn. Erst als diesbezüglich ein umdenken passierte konnte die Piraterie in der Karibik eingedämmt und “besiegt” werden.
Piraterie in der Gegenwart
Aber in den letzten Jahren kommt es speziell im afrikanischen Raum vermehrt zu gekaperten Schiffen durch Piraten. Immer wieder werden Tanker, Yachten und Passagierschiffe angegriffen. In den letzten Jahren ist es auch vermehrt zu medienwirksamen Vorfällen gekommen. Eine somalische Piratengruppe schaffte es mehrmals in die Schlagzeilen. Aber nicht nur in der Realität gibt es Piraterie, viel verbreiteter ist die Piraterie in der Virtualität.
So wird eine Person die Urheberrechtlich geschützte Daten verbreitet von der Content-Loby auch liebevoll als Pirat bezeichnet. Aber eben diese hat das Image der Piraterie durch den 4 Teiler “Fluch der Karibik” auch romantisiert. Wenngleich das Bild der Piraterie in den Filmen wohl nicht ganz mit dem der damaligen Realität übereinstimmt. Immerhin hatten die Piraten damals bereits demokratische Grundstrukturen, von denen so manche westliche Demokratie heute noch träumen kann. Die ursprünglich negative Konnotation des Wortes Pirat (von griechisch: πειρατής peiratés ‚Angreifer‘ und latein: pirata ‚Seeräuber‘) wurde durch die Disney Streifen entfernt.
The Piratebay, eine Torrentsuchmaschine, die sich seit 2006 gegen Juristische Angriffe verteidigen muss hat in “Nerd-Kreisen” bereits Kultstatus erreicht. Wenn man auf heise.de nach dem Wort sucht findet man im Moment 219 Treffer(Tendenz wachsend).
Und nicht zuletzt hat die “neueste” politische Strömung Europas sich diesen Namen angeeignet, die Piratenpartei hat sogar 2 Sitze im Europäischen Parlament inne. Und natürlich führt das wiederum zu einer weiteren Image Aufbesserung des Wortes Pirat.
Und die Zukunft?
Entweder die Content-Loby lässt sich schleunigst ein neues Wort für die bösen Jungs einfallen die Ihre Filme einfach kopieren ohne dafür Abgaben zu zahlen, oder Piraterie wird noch mehr als bisher zum Kavaliersdelikt. Da es meines Wissens kaum einen Haushalt ohne Raubkopie(interessant, dass Raub in der Realität mit gewalt verbunden wird in der virtualität aber lediglich das kopieren von 01010… gemeint ist), irgend einer Software, eines Films oder eines Musikstücks. Also Piraterie wird wohl in den nächsten Jahren in der virtualität endgültig normal werden. Wie es in Somalia weiter gehen wird, das wage ich nicht zu prophezeihen.
Nachdem ich jetzt noch einen Abend/Tag in Wien war find ich im Zug auf der heimreise, endlich die Zeit #blogeu zu bebloggen. Schätze mal dass einige eh immer wieder mal die #blogeu Suche verwendet haben um fest zu stellen was so passierte in Brüssel.
Nachdem leider Datenroaming noch immer viel zu teuer ist und es da noch keine Richtlinie Seitens der Europäischen Union gibt, wurde leider nur bei WLAN live getwittert und streamings gabs selbst dann soweit ich informiert bin keine. Aber vielleicht sollten wir ja an die Kommission herantreten und bitten dass sich diesbezüglich mal ein Ausschuss bildet und drüber nachdenkt.
Eigentlich is es ein Blödsinn so etwas wie eine Zusammenfassung der Reise zu machen. Es ist zu viel. Möchte trotzdem kurz meine persönlichen Eindrücke teilen.
Ein mehr oder minder doch mutige Idee von Marco Schreuder nimm die erstbesten 20+ Leute und fahr mit ihnen für 4 Tage nach Brüssel, zeig ihnen das EU-Parlament, die EU-Kommission, die Ständige Vertretung Österreichs, das Wien-Haus und was es da sonst noch so gibt. Aber wer Risiko nimmt gewinnt, oder? Die Reise war ein “burner” wenn man so will, viele interessante, teils total verschiedene Menschen für 4 Tage zusammen, mit einem großen gemeinsamen Interesse, Bloggen oder Europa, Ansichtssache. Und ich möchte mich an dieser Stelle nochmal bedanken, und gleichzeitig allen WienerInnen Marco Schreuder als Grünen Vorzugsstimmenkandidaten nahe legen nicht weil er die Reise organisierte, nein viel mehr weil er auf mich ehrlich, tolerant, diskussionsfähig/bereit, offen und vor allem sympathisch wirkte.
Ich persönlich habe viele neue Informationen über den Europäischen Apparat in Brüssel erfahren. Ungeschnittene Informationen werdet ihr vermutlich in den nächsten Tagen auf www.ichmachpolitik.at finden. Und auch ich werde vermutlich noch dein einen oder anderen Beitrag aufarbeiten und hier in ein kleines Häppchen verwandeln, damit der Schneeballeffekt auch ein wenig eintritt und mehr als 24 Leute was von der Reise haben.
Für alle die mal schauen wollen wer denn da so nach Brüssel fuhr, wie die Leute aussehen oder ähnliches der kann sich ja mal das Picassa Album anschauen oder mal die twitter suche nach #blogeu bemühen oder aber wer die Leute mal durchschauen will kann auch die Twitterliste von fatmike182 mal anschauen da sieht mensch vermutlich mehr von “uns”.
So jetzt noch die wichtigsten Links zum ichmachpolitik.at Blog, ich hoffe die anderen BlogerInnen verzeihen dass Sie nicht erwähnt werden, aber Video geht einfach am schnellsten zum Anschauen und hat den höchsten Bildungswert
Wer die EU mal verstehen wollte und ca. gleich blöd ist wie ich, hier eine Wunderbare Erklärung eines Vertreters der Kommission.
Ein weiteres Empfehlenswertes Video ist das Interview mit Peter Sunde, Mitbegründer der Piratebay sowie Gründer von Flattr.com dem in Entstehung begriffenen MicroPayment System.
Einen Wahlkampf hat man schon so manches mal mit dem Schlagwort Sicherheit gewonnen. Trotz der Gefahr die die Privatsfähre durch Sicherheit erleidet, oder besser gesagt der Sie durch Sicherheit ausgesetzt wird, verstehen viele vermeintlich mündige Bürger noch immer nicht, dass ihre Privatsphäre wichtiger ist als ihre vermeintliche Sicherheit.
Vielleicht müsste man ihnen mal in Erinnerung rufen, dass niemand ohne kleinstverbrechen ist. Dass wir per Handy überwacht werden können, und dies vermutlich auch genutzt wird ist wohl mittlerweile jedermensch* bekannt. Wenn ich FreundInnen in Wien besuchen fahre weiß zumindest mein Handybetreiber, mein Bankomatkartenbetreiber und die Asfinag/Öbb von meinem Aufenthalt.
Durch Vorratsdatenspeicherung wie sie in einer EU Sicherheitsrichtlinie vorgeschrieben wird wurde in Deutschland ja bereits gekippt(siehe derstandard.at). In Österreich, hierzulande wurde der Gesetzesentwurf derartig Vage und schwammig Formuliert dass er für die Privatsphärengegner wohl kaum befriedigend ist. Es wurde sogar eigens eine NGO engagiert die den Gesetzesentwurf verfassen sollte und dabei auf die Bürger/Menschenrechte achten sollte. Leider ist es nicht möglich die Sicherheitsrichtlinie, die seinerzeit kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001, verfasst wurde, so auszulegen, dass die Menschenrechte, speziell Artikel 12 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gewährleistet bleiben.
“Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.”
Der Zugriff auf meine Reisedaten, meine Kommunikationsdaten, auch ohne Inhalte stellt für mich einen massiven willkürlichen Eingriff in mein Privatleben dar. Wenn es um das Aufzeichnen der Kontaktdaten von SMS oder emails geht ist es in meinen Augen ein ganz klarer Verstoß gegen obigen Artikel.
Das oben erwähnte, zaghaftere, vorsichtigere Vorgehen der Österreichischen Justiz halte ich noch immer für unzureichend. Warum muss man im 21. Jahrhundert noch immer um seine Menschenrechte kämpfen? Zu Zeiten des kalten Krieges war es der Westen, der die „politischen Rechte“ hoch hielt und der UDSSR vorwarf diese zu verachten. Die UDSSR wiederum warfen dem Westen vor die „sozialen Menschenrechte“ nicht zu wahren. Nach dem zerfall der UDSSR und dem aufkommen von „internationalem Terrorismus“, hier möchte ich wieder auf den 9. September 2001 verweisen, der in den USA und auch in Europa die „politischen Menschenrechte“ für die Sicherheit in den Hintergrund geraten lies.
Aber wo eine Machtbewegung, da ist auch eine Gegenbewegung. Und das hemmungslose auf Privatsphäre verzichten seitens mancher Unternehmen (Facebook, StudiVZ, MySpace, Google…) sowie mancher politischen Institutionen wie der Europäischen Union oder den Vereinigten Staaten erzeugen in teilen der Bevölkerung massiven Unmut. Wie in den 80ern die Grüne Bewegung entstand, da ihre Anliegen in der bestehenden Politik nicht wahrgenommen oder nicht erkannt wurden, so ist mit der Piratenpartei eine Bewegung in der Entstehung, die den sogenannten politischen Machthabern ihre Grenzen aufzeigen will.
Wie so oft kam diese Gesellschaftspolitische Änderung oder dieses Anzeichen einer Änderung von den Skandinaviern. Durch den Prozess gegen die File Sharing Börse thepiratebay.org im Frühjahr 2009 gewann diese Bewegung in diesen Breiten massiv an zuwachs. Bei der Wahl zum Europa Parlarment schaffte man über 7%.
Seither wurde bereits das mehr als umstrittene SWIFT abkommen, welches den USA freien zugriff auf Bankbewegungen gewährte vom Europäischen Parlarment abgelehnt. Von vielen wird hier ein Aufbegehren der Parlarmentarier gesehen. Ich sehe nur einen kleinen Ansatz von Vernunft.
Abschließen möchte ich mit einem Zitat.
Ich habe nichts zu verbergen und möchte dennoch nicht nackt vor Ihnen stehen.
* Das Wort Mensch ist als gegenderter Ausdruck für Frau oder Mann zu verstehen.