Grünenbashing OLE

Ich frage mich was derStandard, konkret Nina Weißensteiner und Michael Völker mit ihrem 3(!) Seitigen Beitrag über die Grünen erreichen wollen, eine weitere Stagnation der Grünen? Oder soll das ein gut gemeinter Beitrag für die Grünen sein, um Ihnen durch Kritik auf den “richtigen” Weg zu helfen, weil dann Frage ich mich, warum mir eine derartige aktion noch nie gegenüber anderen Parteien, SPÖ, ÖVP, FPÖ, BZÖ unter gekommen ist.

Die Sieben Sünden der Grünen” eine Gegen Darstellung.

Normalerweise mache ich mich nicht für eine Institution, eine Partei oder eine NGO stark, aber in diesem Fall kann ich es mir leider nicht verbeissen. Das Mail mit der AboKündiguug ist jetzt übrigens wirklich unterwegs.

1. Die Basisdemokratie

Als einzige Partei ermöglichen es die Grünen, alteingesesseen Funktionär_innen die gelbe oder gar die rote Karte zu zeigen, diese ab zu wählen und somit für eine demokratische Umstrukturierung zu sorgen. Dass es bei den Grünen mittlerweile auch den einen oder die andere gibt, der_die auf seine_ihre Macht nicht mehr verzichten wollen ist nahe liegend. Wenn “so einer” wie Stefan Schennach dann mal abgesägt wird und  als Reaktion darauf zur SPÖ wechselt, wo er auf Parteiprogramm eingeschworen weiterhin ein gutes Gehalt verdient, dann ist das Wohl kein Kritikpunkt gegenüber den Grünen Wiens sondern wohl eher gegenüber dem mangelnden Demokratieverständnis dieses einen Funktionärs, der die Grünen verlassen hat, so sehe ich das zumindest.

2. Die Führung

Dass es in Österreich noch immer so ein großes Problem für die Mehrheit der Bevölkerung ist, wenn eine Frau eine Spitzenposition belegt ist mir geradezu peinlich! Dass eine Zeitung die ein vermeintlich intellektuelles aufgeklärtes Publikum ansprechen will sich in dieser Thematik auf ein Niveau eines Boulevard Blattes wie der Krone herab lässt halte ich für geradezu bedenklich.

3. Der Nachwuchs

Die Grünen haben 20 Parlamentarier SPÖ und ÖVP haben seit jeher mehr als doppelt so viele Abgeordnete und wesentlich mehr “vertraute” junge Gesichter können Sie auch nicht vorweisen, warum jetzt die Kritik an den Grünen und nicht an den anderen Parteien? Und mal ganz ehrlich wen kennt man außer  Josef Cap und den Minister_innen der SPÖ? Also ist es doch nicht so, dass Grün zu wenig medienpräsente Abgeordnete haben sondern bei halb so vielen Abgeordneten ca. gleich viele bekannte Gesichter vorweisen können. Also die Kritik des Mangelnden Nachwuchses kann man daher wohl wenn dann nur überparteilich stellen.

4. Der Geschlechterkampf

Dass wir in Österreich eine 50%ige Frauenquote noch immer nicht gewöhnt sind ist traurig, dass es für viele noch immer ein Problem darstellt ist, eben mehr als traurig. Dass es wenig Sinnvoll ist diese Quote wie bei den Grünen mit der Brechstange zu erzwingen ist auch klar. Und dass da selbst beim aufgeklärten linken Frauenrechtler mal Zweifel aufkommen steht wohl außer Frage. Dafür die Grünen zu kritisieren ist aber auch verwerflich, sollte man nicht eher die anderen Parteien dafür kritisieren, dass Sie nach wie vor auf Gleichberechtigung scheißen(diese Ausdrucksweise sei mir jetzt verziehen).

5. Die Inhalte

Diesem Absatz konnte ich keine “Sünde” entnehmen, eher erkenne ich noch ein Lob, dass die Grünen es geschafft haben, ein bis dahin unpopuläres Thema für alle Parteien zu  einem brisanten und unausweichlichen Thema zu machen. Warum sollten die Grünen deswegen Ihren Fokus verlegen? Ist die implizite Forderung der Autoren, dass die Grünen weitere “neue” Themen finden sollen? Weil selbst das machen die Grünen Österreichs, als einzige anerkannte Partei haben Sie zum Thema Copyright ein ernst zu nehmendes Statement ab zu geben.

6. Das Marketing

Dass die Grünen einerseits nicht gleich viel Kapital zur Verfügung haben wie SPÖ/ÖVP und andererseits dieses Kapital oft vernünftiger als für Werbekampagnen einsetzen sei dahin gestellt, dass es sich dadurch um schlechtes Marketing handelt stelle ich in Frage. Und für die permanente negativ Berichterstattung der österreichischen Medien können wohl die Grünen nichts. Immer wieder wird versucht mit Themen zu Punkten(Raus aus dem Öl), die Öffentlichkeit zeigt jedoch mehr Interesse an Einzelpersonen die die Partei verlassen, oder legen Aussagen der Parteichefin zurecht dass sie gegen sie und die Grünen verwendet werden können. Eine Themenorientierte anstelle einer Streitereiorientierten Pressekonferenz als Fehler zu bezeichen ist in meinen Augen schwerst populistisch wenn nicht sogar lächerlich.

7. Die Paktfähigkeit

Danke an das Team des Standards, dass sie hier ihre eigenen Angriff bereits entkräftet haben. Die Grünen haben sehr wohl ihre Paktfähigkeit in mehreren Situationen unter beweis gestellt. In Bregenz, Graz und Oberösterreich koalieren die Grünen bereits, dass die Sozialdemokraten nach wie vor Angst vor Glawischnig und Co haben ist für mich ein Rätsel und lässt sich nur darauf zurück führen, dass Sie wohl Angst haben sich auch gegen eine Kleinpartei nicht durchsetzen  zu können. Aber mal im Ernst, warum wird eigentlich nicht mehr über die erfolgreichen Koalitionen der Grünen berichtet?